Diese Seite zeigt Persönlichkeiten, die im Leben Emilies du Châtelet eine Rolle spielten.



Der Herzog von Richelieu von Alexander Roslin
Der Herzog von Richelieu

Einige Jahre bevor Emilie Voltaire traf, hatte der Herzog von Richelieu eine Affäre mit ihr. Zu dieser Zeit war Emilie 24 Jahre alt, der Herzog war zehn Jahre älter.

Louis François Armand de Vignerot du Plessis, Duc de Richelieu (1696-1788) war der Großneffe von Kardinal Richelieu (1585-1642), welcher während der Herrschaft Ludwigs XIII. als Erster Minister Frankreich zur führenden Macht in Europa gemacht hatte.

Nach seiner Rückkehr von einer diplomatischen Mission in Wien, traf Richelieu Emilie im Jahre 1729. Es ist anzunehmen, dass sich ihre Wege gesellschaftlich gekreuzt hätten, als ein Bruder ihres Ehemannes die Schwester von Richelieu heiratete.

Richelieu war im Frankreich des 18. Jahrhunderts als ein wahrer Lebemann bekannt. Ein Dutzend adeliger Damen fielen, angezogen von seinem Titel, seinem Reichtum, seiner Reputation und seinem persönlichem Charme, der Reihe nach in sein Bett.

Richelieus Erfolg bei den Frauen lag in seiner Fähigkeit, eine Mätresse zu verstehen und ihr bei der Verwirklichung ihrer Ideale behilflich zu sein.

Vor ihrer Affäre mit Richelieu war Emile extrem zügellos, theatralisch und undiszipliniert. Sie rechnete es Richelieu hoch an, Ordnung in ihr Leben gebracht zu haben und ihr ein Ziel gegeben zu haben.




Emile liebte das Wissen um seiner selbst willen, Richelieu lehrte sie, sich auf das zu konzentrieren, was für sie von vorrangigem Interesse war. Mit Unterstützung des Herzogs engagierten sie Physik- und Mathematikprofessoren der Sorbonne als Hauslehrer, um Unterricht zu nehmen. Diese kamen mehrere Stunden pro Woche, um sie zu unterrichten und um mit ihr zu diskutieren. Sie begann ebenfalls mit ihren ersten ernstzunehmenden Übersetzungen von Gedichten aus der lateinischen in die französische Sprache. Dies diente ihr als Basis für das Ziel, das sie sich gesetzt hatte, um Übersetzerin zu werden.

Die Affäre mit Richelieu dauerte 18 Monate lang und es war selten für diesen, einer Mätresse so lange treu zu sein. Obwohl sich die meisten Männer von Emilies Intelligenz überfordert fühlten, war Richelieu von ihrem Verstand beeindruckt. In Briefen an seine Freunde machte er oft Bemerkungen über ihr Talent zu scharfer, prägnanter Debatte. Bei Diskussionen über Literatur gelang es ihm, als Sieger hervorzugehen, jedoch in solchen über Philosophie und Metaphysik konnte er sie nicht schlagen.

Auch nach dem Ende ihrer Affäre blieben Emilie und Richelieu Freunde und korrespondierten bis zu Emilies Tod, einer Zeitspanne von 16 Jahren. Emilies Briefe waren mindestens 20 Seiten lang, die des Herzogs etwas kürzer. Voltaire wunderte sich oft über diese übermäßig lange Korrespondenz, obwohl Briefeschreiben einen Grossteil des Lebens eines gebildeten Mannes oder einer gebildeten Frau ausfüllte. Zu seinem eigenen Schutz öffnete Voltaire die Briefe der beiden über Dampf. Er fand aber nichts, was auf irgendetwas anderes als Freundschaft schliessen liess.

Was war der Grund für diese lange Freundschaft? Der Herzog war d e r Lebemann seiner Zeit und hatte sein ganzes Leben lang Affären mit Frauen. Alle diese Frauen waren schön und manche auch intelligent, aber keine kam an Emilies Verstand heran. Richelieu erlebte auch viele Intrigen bei Hofe und es ist anzunehmen, dass er Emilies Freundschaft wahrhaftig schätzte.

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