Diese Seite bescheibt Persönlichkeiten aus dem Leben Emilies du Châtelet.





Madame du Deffand, Gravur von Forshel nach einem Porträt von Louis Carrogis Carmontelle
Marie de Vichy-Chamrond, Marquise du Deffand
geboren 1697 im Schloss von Chamrond, Burgund, Frankreich
gestorben am 23. September 1780 in Paris

Die Marquise von Deffand wurde unter den Damen, die Salon hielten, als die geistreichste Frau mit dem schlechtesten Charakter, beschrieben. Sie war stolz, zynisch, egozentrisch und ein Historiker beschrieb sie sogar als Katze.

Höchstwahrscheinlich kamen die Leute auf Grund ihres brillanten Geistes in ihren Salon. Als über Helvetius Buch "De l'Esprit" ("Über den Geist") diskutiert wurde und seine lange Abhandlung über La Rochefoucaulds Standpunkt, --"dass alle menschlichen Beweggründe egoistisch sind,"-- bemerkte sie: "Nun, er hat ja nur jedermanns Geheimnis gelüftet."

Die Marquise von Deffand unterhielt einen Salon in Paris, der Wissenschaftler, Autoren, geistreiche Persönlichkeiten und alle die, die in der Welt der Literatur und in der Gesellschaft von Bedeutung waren, anzog. Voltaire war einer ihrer bevorzugten Gäste und sie bewunderte seine ausgesuchten Manieren, seinen scharfen Verstand und seine Intelligenz. Die Marquise und Voltaire unterhielten über viele Jahre hinweg einen Briefwechsel.


Von 1734 bis1749 war Schloss Cirey Voltaires und Emilies Wohnsitz, beide unternahmen aber auch häufige Reisen nach Paris. Voltaire stellte Emilie der Marquise von Deffand vor und hoffte, dass sie Freundinnen werden würden.

Emilie hätte sicherlich die Dîners bei der Marquise von Deffand genossen. Unter den anderen Gästen befanden sich wahrscheinlich Charles Henault (Präsident des Gerichtshofes und ein enger Freund der Königin), Diderot und d'Alembert (Herausgeber der Enzyklopädie), Montesquieu (ein politischer Philosoph), Marmontel (Schriftsteller, Poet und Dramaturg), sowie Madame de Staal de Launay (bekannt für ihre Korrespondenz). Die Unterhaltung dieses Abends wäre sicherlich von hohem geistigem Niveau gewesen.

Es ist jedoch anzunehmen, dass es der Gastgeberin lieber gewesen wäre, dass Voltaire Emilie nicht in ihren Salon eingeführt hätte. Emilie besaß kein Talent dafür, die Leistungen anderer hervorzuheben, eine Kunst, in der die Gastgeberin brillierte. Emilie fand es schwierig, ihren Geist dem allgemeinen Trend der Unterhaltung anzupassen und war nicht sonderlich für Klatschgeschichten zu begeistern.

Voltaire bewunderte vor allem eine Eigenschaft an Emilie - sie sprach niemals über die Leute hinter deren Rücken. Die Gastgeberin des Salons und Emilie wurden aber nicht, wie es Voltaire gehofft hatte, Freundinnen.

Die Marquise von Deffand verfasste eine Beschreibung Emilies, die im Jahre 1777 als ein Teil ihrer Korrespondenz veröffentlicht wurde. Im folgenden Text enthüllt die Marquise ihren eigenen wahren Charakter und ihre Wertvorstellungen.


Die Beschreibung Emilies du Châtelet von der Marquise von Deffand.
"Stellen Sie sich eine große, dürre Frau vor, ohne Hintern, ohne Hüften, schmalbrüstig, mit dicken Armen und Beinen, riesigen Füssen, einem sehr kleinen Kopf, einem spitzen Gesicht, einer Spitznase, zwei kleinen, meergrünen Augen, dunklem Teint, rot und erhitzt, der Mund flach, mit auseinander stehenden und extrem schlechten Zähnen. Das ist das Aussehen der schönen Emilie, auf welches sie so stolz ist und an dem sie es, um es ins rechte Licht zu setzen, an nichts fehlen lässt: gekräuseltes Haar, Zierrat, Juwelen, alles im Überfluss; aber, weil sie im Gegensatz zu ihrer Natur schön sein möchte und trotz ihres Vermögens prächtig, ist sie oft gezwungen, auf Strümpfe, Hemden, Taschentücher und andere Kleinigkeiten zu verzichten.

Geboren ohne Talente, ohne Gedächtnis, ohne Geschmack, ohne Vorstellungskraft, ist sie Geometriker geworden, um den anderen Frauen überlegen zu scheinen, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass Einzigartigkeit nicht Überlegenheit bedeutet. Der Übereifer für die Darstellung hat ihr jedoch ein wenig geschadet. Ein gewisses Werk, das unter ihrem Namen veröffentlicht wurde und von einem Banausen für sich beansprucht wurde, hat einige Zweifel aufkommen lassen, man hat sogar darüber gemunkelt, dass sie Geometrie studiert habe, um zu erreichen, dass über ihr Buch gesprochen wurde. Ihre Wissenschaft ist ein schwer zu lösendes Problem. Sie spricht davon wie Sganarelle* Latein vor denen, die es nicht verstanden.

Schön, prächtig und gelehrt, fehlte es ihr nur noch, Prinzessin zu sein. Sie ist es weder von Gottes noch von des Königs Gnaden geworden, sondern von ihren eigenen Gnaden. Diese Lächerlichkeit ist ebenso durchgegangen, wie die anderen. Sie wird wie eine Prinzessin aus dem Theater angesehen und man hat beinahe vergessen, dass sie eine Frau von Stand ist.

Man könnte meinen, dass die Existenz der göttlichen Emilie nichts als Prestige ist, sie hat dermaßen daran gearbeitet als das zu erscheinen, was sie nicht ist, sodass man nicht mehr weiß, was sie wirklich ist. Nicht einmal ihre Fehler sind vielleicht echt, sie könnten von ihren Anmaßungen abhängen: ihre Unhöflichkeit und Unüberlegtheit von dem Stand der Prinzessin, ihre Barschheit und ihre Zerstreutheit von dem der Gelehrten, ihr kreischendes Gelächter, ihre Grimassen und Verrenkungen von dem einer schönen Frau.

Derartig viele befriedigte Ansprüche hätten jedoch nicht genügt, um sie so berühmt zu machen, wie sie es sein möchte: man muss, um gefeiert zu sein, gefeiert werden; dennoch hat sie es erreicht, indem sie die erklärte Mätresse von M. de Voltaire wurde. Er macht sie zum Gegenstand der öffentlichen Aufmerksamkeit und zum Thema von privaten Konversationen, ihm verdankt sie es, dass sie in den kommenden Jahrhunderten noch leben wird und in der Zwischenzeit verdankt sie ihm das, was sie in diesem Jahrhundert zum Leben braucht. (1). "

(1)Literarische Korrespondenz, Band XI, März 1777, Seite 436-437.
(*) Molière: Sganarelle ou le Cocu Imaginaire, 1660

Diese Beschreibung, die an manchen Stellen recht komisch ist, enthält einige Wahrheiten. Lesen Sie die Seite über Emilie, um herauszufinden, was an dieser Beschreibung wahr ist und wo die Marquise von Deffand ihre Eifersucht und ihren wahren Charakter zum Vorschein kommen lässt.


Zurück zu Personen in Emilies Leben